Brandheiß

…oder auch Brandaktuell. Denn erst gestern saß ich mit Freunden vor mich hinbrutzelnd im UHG beim Mittagessen, als ein merkwürdig zwitscherndes, pfeifendes Geräusch die mittägliche Unruhe auf dem Innenhof störte. Anfänglich waren keinerlei Reaktionen der Essenden zu erkennen, doch als die ersten größeren Gruppierungen durch die automatische Tür neben der Cafeteria strömten, angeführt oder begleitet von hektisch erröteten Dozenten, breitete sich eine dezente Unruhe unter denen aus, die in der Sonne schmolzen. Das merkwürdige Geräusch enttarnte sich als Feueralarm und nicht wie anfänglich vermutet, als schräger Handyklingelton und kaum, dass diese Erkenntnis sich in den überraschten Gesichtern der Geröteten abzeichnete, erklang vom Fürstengraben herüber auch schon die erste deutlich als dies zu erkennende Sirene. Unschlüssig, wie sich zu verhalten sei, wenn man nicht gerade folgsam einem Dozenten hinaus vor das UHG folgen konnte, sondern als Privatperson und unbeaufsichtigt im Innenhof aß, flackerte unser Blick zum augenscheinlich geeignetsten Fluchtweg. Kein Feuer zu sehen.
„Ich bring mal die Tabletts rein.“ Einer der Langzeitstudenten, mit denen ich so gern verkehre, räumt lässig die Tabletts zusammen und bringt sie hinein. Einen Langzeitstudenten kann nach der Langzeitstudiengebühr und dem Lächeln, dass er erntet, wenn er gesteht, dass er bereits seit 1998 an der Uni ist, nichts mehr schocken, wie es scheint, denn während alle anderen ihm aus dem vermeintlich brennenden Gebäude entgegenströmen, schreitet er gelassen in die Höhle des Löwen und stellt unsere Tabletts ab.
„Die haben die Cafeteria geschlossen.“ Verkündet er, als er wieder herauskommt und tatsächlich kann man durch das Fenster die heruntergelassene Gitterwand sehen. Bei mir stellt sich langsame Unruhe ein, als der Strom der aus dem UHG Kommenden zu einem nicht enden wollenden Personentross wird und erleichtert reihe ich mich in eine Gruppe Erasmusstudenten ein, in der jeder hektisch in verschiedensten Sprachen auf seinen Betreuer einredet. Draußen angekommen schlängele ich mich den schmalen Plattenweg an der Poststelle des UHG vorbei.
„Hab mich schon gewundert warum der Dicke heute nur so selten im Hof war.“ Spöttelt die rundliche Dame, die lässig ihre Zigarette mit dem Hacken ausdrückt und dann die Arme vor der Brust verschränkt.
„Vermutlich hat er sich entschieden doch in seinem Büro zu rauchen.“ Frotzelt sie und über die Gesichter einiger Umstehender wandert ein verhalten erheitertes Lächeln. Die Vorstellung des Rektors, wie er ertappt mit einer halb gerauchten Zigarette vor zwei Feuerwehrmännern in voller Montur zu erklären versucht, wie er den Feueralarm ausgelöst hat, ist durchaus eine erheiternde…

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~ von otzblog - April 17, 2009.

4 Antworten to “Brandheiß”

  1. Weiß jemand, ob es nun wirklich gebrand hat? Ich hab gehört es wäre ziemlich viel Feuerwehr unterwegs gewesen…

  2. Keine Ahnung wegen des Brandes, aber als ich heut dort war, stand noch alles… und so korrekt wie der Dicke immer ist glaube ich nicht, dass der jemals in seinem Rektorzimmer auch nur ein Feuerzeug in die Hand nehmen würde 🙂

  3. nein, in der OTZ stand, dass Symphatisanten des besetzten Hauses in Erfurt verschiedene Fehlalarme ausgelöst hatten. Ich hatte mich auch gewundert, warum abends so viel Polizei in Jena unterwegs war.
    Am darauffolgenden Montag habe ich dann gelesen, daß genau an diesem Freitag in Erfurt das besetzte Haus geräumt wurde.

  4. Als ich mir gestern abend meinen letzten Kommentar hier nochmal durchgelesen hatte fiel es mir wie Schuppen von den Augen:
    Die Antwort auf die Frage ob es denn nun wirklich gebrannt hatte beantwortete ich mit einem Verweis auf einen Bericht in der OTZ – und das hier im OTZWEBLOG…
    Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

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