Gedächtnisfeier

Ostern wird gemeinhin auch als Fest des Gedenkens, oder Gedächtnisfeier beschrieben. Dass dabei weniger das dieser Kolumne zugrunde liegende Thema ausschlaggebend war, als vielmehr das Gedenken an den Tod und die Wiederauferstehung Christi, ist wohl allen klar. Da aber schon unzählige Einträge im Internet zu diesem Thema, seien sie wissenschaftlich oder eher populär-medial, zu finden sind, habe ich mich entschieden, dieses Osterfest unter einem anderen Gedächtnisaspekt zu betrachten. So habe ich Ostern immer als Gedächtnistraining, weniger als Feier des Gedächtnisses erfahren.
Seit Jahren schon wechselt sich die bucklige Verwandtschaft darin ab, Eier zu verstecken. Früher stand dies einzig den Eltern zu, seit meine Cousinen und ich unser Abi in der Tasche haben, wurde der Schuh allerdings umgedreht. Seit dem ist es in unserer Familie Tradition, dass die Kinder die Eier verstecken und die Erwachsenen (also die älteren Erwachsenen) die Eier suchen.
Bewährt mit den Eierpappen und den darin eingepackten, am Vorabend bunt gefärbten Eiern, geht es also im morgendlichen Dämmerlicht raus in den Garten und die Eier werden versteckt. Da es das Ziel von Verstecken ist, nicht gefunden zu werden, legt die jüngere Generation die Eier nicht einsehbar auf den Dachgepäckträger des Autos, in irgendwelche Grasnester auf Baumstümpfen oder in kleinen Kohorten mitten auf den Rasen. Nein! Die Eier werden ordnungsgemäß und mit viel Mühe so versteckt, dass das Finden eine ehrliche Herausforderung ist. 30 Eier gilt es ab dem Zeitpunkt zu suchen, ab dem die Jugend mit den leeren Eierpappen auf der Terrasse erscheint. Bis zum Frühstück, was traditionell eine halbe Stunde nach Suchbeginn anfängt, sollten die Eier aufgetrieben sein, aber schon nach den ersten unsicheren Schritten der älteren Generation wird alljährlich klar… Frühstück um halb zehn ist Wunschdenken.
Gegen zehn kommen die Ersten wieder zurück, erschöpft, ausgelaugt, erfolglos. Die Pappen sind vielleicht zu einem Dreiviertel gefüllt, einige Eier sind noch nicht aufgetaucht. Aus Erfahrung geben wir den Eiern jedes Jahr eine ganz spezielle Note, damit nicht zufällig Eier aus dem letzten Jahr in den Pappen auftauchen. Sieht gut aus. Keine alten Eier aufgetaucht. Traurigerweise werden ein paar der diesjährigen Eier auch nicht wieder auftauchen, denn die Crux im Verstecken liegt darin, sich danach noch an die 30 Verstecke im Garten zu erinnern, womit wir wieder bei der Gedächtnisfeier wären, in deren Fokus eher das Gedächtnistraining im Hinblick aufs nächste Jahr und weniger das Feiern stehen sollte, denn wieder blieben Eier verschollen…
osterhasen

Da jeder Ostern auf andere Art und Weise begeht, würde ich mich freuen, wenn ihr mich und die anderen Leser an euren Osterbräuchen teilhaben ließet. Zu diesem Zweck schickt doch einfach eure Geschichten an diese beiden possierlichen und vom Eiergeschleppe erschöpften Osterhasen, oder schreibt einen Kommentar 🙂

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~ von otzblog - April 10, 2009.

4 Antworten to “Gedächtnisfeier”

  1. Frohe Ostern. ^^

  2. Also bei uns gibt es immer das traditionelle Kaninchen zu Ostern. Allerdings nicht mit Korb und Eiern auf dem Rücken, sondern lecker angemacht mit Rotweinsoße und Kräuterkartoffeln. Nach dem Schmaus machen wir uns dann ans Stapeln. Im Hof wird ein riesiger Haufen gemacht (im übrigen äußerst praktisch zur Entsorgung von Gartenabfällen, da das Räuchern ja jetzt nicht mehr so häufig erlaubt ist) und dann kommt die ganze Nachbarschaft zum Osterfeuer vorbei.
    Eier suchen steht allerdings nicht mehr auf dem Programm, seit mein Bruder und ich aus den Kinderschuhen raus sind. Gefärbt wird von Oma, mit Zwiebelschalen und Gartenkräutern. Ist nicht bunt, aber originell.

    Also allen noch ein frohes Osterfest und nicht böse sein, dass der Osterhase bei uns auf dem Teller landet… ist auf dem Dorf halt so 🙂

  3. Kaninchenessen ist ja sonst schon im Jahr grenzwertig… aber zu Oster ;(
    Also bei uns werden die Eier kunterbunt gefärbt und suchen tun noch immer die Kinder. Also ich. Sonst gibts da leider nix Spannendes. Aber die Idee mit dem andersherum Verstecken gefällt mir eigentlich ganz gut. Vielleicht kann man die ja übernehmen 😉

  4. Ostern machen wir keinen Aufriss. N bissl Schokolade in einem künstlichen Osternest, n bissl Bares für die Anreise bei meinen Großeltern… meistens kauft meine Ma gefärbte Eier, seit sie die Dinger alleine Färben müsste und auch dies Jahr war wieder nichts Erhebendes… außer vielleicht das Wetter, das war spitze…

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