Lichtgedanken oder doch eher Nicht-Gedanken?

Mh, denke ich mir, als ich durch den zum Fürstengraben hinaus liegenden Eingang ins UHG gehe, hübsches grünes Licht. Grün nämlich, ohnehin meine Lieblingsfarbe, die Farbe der Hoffnung, beschimmert der Scheinwerfer das Gebilde an der Wand im Foyer. Das vermeintliche Kunstwerk besteht aus einem mit schwarzem Stoff bezogenen Rechteck und darauf befestigten Mosaikfliesen aus dem Bastelladen, sowie einigen Gipsplatten, in die das Wort „Lichtgedanken“ reingepresst ist. An sich nett, das Kunstwerk, aber viel mehr noch eine Stromverschwendung, denn mehr als einen kurzen und leider völlig unreflektierten Blick wirft niemand dorthin. Ich würde sogar bezweifeln, dass bei mehr als einer handvoll Leuten die Erinnerung an das letzte und ereignisreiche Jahr, an irgendeine Veranstaltung oder die Lasershows auf dem Campus durch dieses neokubistische Wandcollage wachgerufen wird. Mein Blick schweift zurück zu dem Gebilde und überrascht starre ich es an.
Lila.
Ich ziehe die Schwingtüren auf, gehe mit gerunzelter Stirn an der Aula vorbei und werfe einen Blick in den von warmem Sonnenlicht durchfluteten Innenhof. Diana wartet schon. Sehr gut. Eiligen Schrittes durchquere ich den langen Flur und fange meine Verabredung zum Mittagessen am Eingang zur Cafeteria ab.
„Sage mal…“ beginne ich das Gespräch, während ich Diana kurz umarme. „… bin ich meschugge, oder wechselt das Licht draußen am Eingang?“ Diana überlegt kurz, späht den Flur entlang und scheint zu überlegen, wovon ich spreche. Dann zuckt sie die Achseln.
„Ich glaube du bist meschugge.“
Eine geschlagene Stunde lang überlege ich, ob ich mir nur eingebildet habe, dass das Licht grün ist, weil ich grün so gern mag, dann verlassen wir Wurstgulasch und labberigen Salat, eingehüllt in diesen typischen Mischgeruch aus verbrauchter Luft, Bratenfett und Reinigungsmittel. Mir zuliebe geht Diana neben mir den langen Flur entlang in Richtung Ausgang, schiebt die Tür auf und verharrt mitten im Schritt.
Gelb.
Ich bin nicht meschugge. Das Licht wechselt. Diana sieht mich verwundert an.
„Seit wann hängt das denn hier?“
Ich beschließe die heutige Kolumne mit einem w.z.b.w bezüglich meiner Vermutung, dass die Collage nichts weiter als Stromverschwendung ist, denn ganz offensichtlich ruft sie nicht nur keine Erinnerungen an das Jahr der Lichtgedanken hervor, nein, sie wird in vielen Fällen noch nicht einmal bemerkt!

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~ von otzblog - April 3, 2009.

6 Antworten to “Lichtgedanken oder doch eher Nicht-Gedanken?”

  1. Also mir ist das Gebilde auch aufgefallen, aber eher, weil das Licht rot war. Naja… ich hätte mir was spektakuläreres gewünscht, irgendein Mobile an der Decke, das die Blicke wie magisch anzieht und nicht so ne hässliche Wand. Noch nicht mal ne Bilderwand. Nur ne Wand… ich glaub, ich hätt noch nicht mal was drüber geschrieben, so unbedeutend finde ich das Ding 😦

  2. Keine Ahnung was ihr habt. Ich finde das Ding recht nett. Ich meine ja, es ist einfach, aber deshalb muss ein Kunstwerk ja noch nicht Viertklässlerniveau haben oder Stromverschwendung sein… wobei ich das auch finde. Man hätte etwas ohne permanente Beleuchtung gestalten können…

  3. wie hättet ihr denn ein Kunstwerk zum Stichwort „Lichgedanken“ gestaltet ohne eine permanente Beleuchtung?

    • Darüber habe ich tatsächlich auch schon nachgedacht. Es gibt da mehrere Möglichkeiten, die mir ganz gut gefallen wüden.
      Einmal hätte man etwas in einem Fenster gestalten können. So wie früher diese umwerfend schönen Buntglasfenster in den katholischen Kirchen. Vorteil: Es hat nicht nur eine Wirkung nach innen für die Studenten, sondern auch für die Passanten draußen.
      Zweite Möglichkeit wäre vielleicht ein Mobile gewesen, das man so ausgestaltet, dass es zwar vor der Aula im UHG hängt, über geschliffenes Glas aber Licht dorthin geleitet wird. Habe mich mit meinem Ingenieur zuhause darüber beraten und das wäre mit ein bisschen Geschick tatsächlich möglich 😉

  4. Hier, zum Thema permanente Beleuchtung: Man hätte ja auch zeigen können, dass man ein paar lichte Gedanken hatte, indem man was mit Solartechnik betriebenes dahinbastelt. Gibt doch so kleine Solarkollektoren schon als Werbegeschenke… dann hat man so gut wie permanente Beleuchtung UND man hat was für die Umwelt getan…besser als die beleuchtete Wand allemal

  5. Also angesichts der Debatte habe ich mir die Wand nochmal angesehen. Ist euch aufgefallen, dass dort Werbung für Jenenser Firmen gemacht wird auf den Platten, auf denen Lichtgedanken steht? Das ist vermutlich gar kein Kunstwerk, sondern Werbeschmuh…

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