150 Prozent

Höher, schneller, weiter. Das wir alle immer mehr wollen, ist wohl in den meisten Menschen angelegt. Ausnahmen bestätigen die Regel und so stelle ich fest, dass ich gern weniger hätte.
Ich hätte gern weniger als die 150 Prozent Auslastung, welche die Universität Jena studententechnisch jetzt erreicht hat. Implizit steckt in meinem Wunsch nach weniger ja eigentlich auch ein Mehr. Mehr Platz, mehr Kapazitäten in der Bibliothek, mehr freie Kopierer, mehr das Gefühl wieder an einer Uni zu sein und nicht in Massenstudentenhaltung.
Allen Versuchen einige der über 15.000 Studenten wieder loszuwerden zum Trotz werden es nicht weniger, sondern nur immer und immer mehr. Gut 150 neue Studienanfänger mehr als im vergangenen Jahr waren es beispielsweise in diesem Wintersemester allein im Bereich der Politikwissenschaft und da helfen keine Modularisierung, kein Bachelor und kein Master. Wir sind überschwemmt und diejenigen, die fleißiges lernen nicht an die Küste bestandener Klausuren schwemmt, die sprießen kaum ein Semester später in einer anderen Fächerkombination wieder aus dem Boden wie Frühblüher. Keiner weiß mehr, wo er hintreten soll, außer vielleicht nach unten, um irgendwie höher, schneller und weiter von der Uni weg zu kommen. Um dieses Ziel auch ohne treten erreichen zu können, muss man aber eigentlich nicht viel mehr tun als 150 Prozent für einen baldigen Abschluss geben, habe ich mir inoffiziell von offizieller Seite sagen lassen.
Nur zum allgemeinen Verständnis, möchte ich das also noch mal zusammenfassen: Bei 150 Prozent Auslastung oder auch Überlastung der Uni und 150 Studenten pro Semester mehr als im vorhergehenden ist die Lösung des Problems einfach 150 Prozent geben um so schnell wie möglich fertig zu werden und dem Gedränge zu entfliehen. Dieser Rat klingt doch viel unkomplizierter, als sich zu überlegen, wie man die Studentenzahlen via Einstufungstests oder andere Zulassungsbeschränkungen auf ein erträgliches Maß reduzieren könnte. Da hat man von offizieller Seite quasi 150 Prozent Verantwortung für die Problematik an die Studenten weitergegeben.

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~ von otzblog - März 6, 2009.

5 Antworten to “150 Prozent”

  1. Wow, 150 Prozent Auslastung, da muss man sich nicht wundern, wenn es in der Mensa einfach nicht leerer wird. Woher weißt du, dass inder Powi so viele mehr angefangen haben als im letzten Semester?

    • Naja, manchmal bin ich am Institut und wenn ich dann warten muss, dann zähle ich die Listen derer, die an der Einführungsklausur teilgenommen haben. Da alle an diesen Klausuren teilnehmen müssen, hab ich grob über den Daumen gepeilt, wie viele mehr es dieses Semester waren… ist bestimmt nicht ganz genau die Rechnung, weil einige ja vielleicht wiederholen oder erst im zweiten Semester schreiben, aber so ungefähr haut das schon hin.

  2. „wenn ich dann warten muss, dann zähle ich die Listen derer, die an der Einführungsklausur teilgenommen haben“

    schönes hobby =)

    • Tu das nicht so ab. Ich zähle ja nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die nicht bestandenen oder nicht erschienenen und dann rechne ich im Kopf auf dem Institutsflur aus, wie die Quoten stehen… ha… mach mir das erstmal nach!

  3. wieso werden meine kommentare immer gleich als abschätzig eingestuft? =) wirklich schönes hobby! könnte ICH kopfrechnen, müsste ich nicht sprachen studieren…

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