Der Irrglaube von Gleichheit

Ich habe es ja immer ein wenig belächelt, wenn ich aus dem Fenster des Hilfskraftzimmers jemanden dort draußen stehen sah. Mit aufgeregt, vermutlich schwitzig herumfahrenden Händen hatten der- oder diejenige vor der Tür gewartet, unsicher ob Klopfen wirklich der richtige Weg war. Meistens waren es auch Leute, die man auf der Straße sieht und von denen man sich denkt Ja, die haben Probleme. Und während ich sie dort draußen auf dem Flur beobachtet habe, habe ich innerlich gelächelt, weil er oder sie sich bei jemandem Hilfe sucht, der ein Puppenspiel zur Gleichberichtigung aufgeführt hat, bei dem Gretel in den Sinn kommt, zu studieren. Faust tut’s ja auch! Wenn dann doch mal jemand geklopft hat und eingelassen wurde, denn in diesem Büro ist immer jemand da, dann kamen er oder sie stundenlang nicht raus und während ich irgendwelchen Unikram für meinen Chef oder jemand anderen im Institut erledigt habe, saßen er oder sie dort drinnen mit drei Unterbeschäftigten, die zu viel vom Feminismus abbekommen hatten und zu wenig gesunden Menschenverstand.
Dachte ich.
Aber nun ergab es sich, dass ich mich ungleich schlechter behandelt fühlte, um nicht zu sagen diskriminiert. Was läge näher als einen günstigen Moment abzupassen und einfach mal über den Flur zu schlendern und im Büro der Gleichstellungsbeauftragten zu klopfen. Ein bisschen peinlich war es mir ja schon, aber immerhin habe ich mich nicht vorher die schwitzigen Hände an der Hose abgewischt. Ich hatte nämlich keine. Schwitzige Hände, meine ich… Fr. Dr. Wendler öffnete sofort die Tür und ihr Mitarbeiter Herr Zwickies zog mir sogar höflich einen Stuhl zurecht, auf den ich mich setzen durfte. Welcher normale Mann würde so etwas tun? Aber Herr Zwickies ist kein normaler Mann. Er ist ein freundlicher, hilfsbereiter Gentlemen, der sich tagtäglich für die Probleme derer einsetzt, die von den bürokratischen Mühlen der Universität als perspektivlose Geisteswissenschaftler, die es eh nicht besser verdient haben, abgestempelt wurden. Während ich Herrn Zwickies, der mir aufmerksam zuhörte, von meinem kleinen Problem erzählte, machte Frau Dr. Wendler sich bereits Notizen, wer weswegen am besten wann angefragt wurde, worauf das Problem beruht und was möglicherweise unternommen werden könnte. Als ich eine gute halbe Stunde später das Büro verließ, konnte ich einen Kollegen am Fenster sehen, der mich belächelte. Soll er nur, denn von dem freundlichen Klima im Gleichstellungsbüro angesteckt, wünsche ich ihm, dass er nie in eine Situation kommt, in der ihm sein Irrglaube von Gleichheit aufgezeigt wird.

Also für alle, die sich nicht trauen, weil sie Angst haben belächelt zu werden, da der Platz am Fenster meiner ist, braucht ihr euch keine Sorgen zu machen 🙂

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~ von otzblog - Februar 20, 2009.

2 Antworten to “Der Irrglaube von Gleichheit”

  1. Hey, ich habe den Herrn Zwickies mal gesehen… schnuckelig ist der. Aber bis jetzt hab ich Gott sei Dank noch keine Probleme an der Uni gehabt, die ich nicht selbst hätte klären können… obwohl ich mal von einer Kommilitonin gehört habe, die Probleme mit einem Dozenten hatte… seitdem bleiben in einigen Büros bei Besprechungen immer die Türen offen… schon scheiße sowas…

  2. Also ich war auch bei dem Puppenspiel. War in den Rosensälen. Fand’s eigentlich ganz unterhaltsam und wirklich erstklassig gemacht.

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