Stil-Ikone auf Abwegen

Schmerzhaft, als hätte ich die E-Mail eben erst geöffnet, stehen noch die Worte vor mir, die ich als Quintessenz meiner ersten an der Universität abgegebenen Hausarbeit bekam. Kommen sie in meine Sprechstunde. Oder besser noch, suchen sie sich einen Job in der städtischen Müllabfuhr. Da gehört ihre stilistisch unwürdige Arbeit nämlich hin.
Einen schwächeren Geist hätte man damit vermutlich gebrochen, aber abgehärtet durch die harschen und niemals freundlichen Worte meiner Deutschlehrerin zu Schulzeiten, konnte mich diese Mail nicht ganz so sehr in den Boden rammen, wie vermutlich vom Dozenten beabsichtigt.
Heutzutage gibt man ja an der Uni Gott sei Dank anderen Methoden als dem altmodischen, persönlichen, verbalen Niedermetzeln von Studenten den Vorrang. Ähnlich nämlich, wie sich die Kampfkunst vom Nahkampf über den Stellungskrieg hin zu Langstreckenraketen entwickelt hat, erarbeitete man an der Universität verschiedene Konzepte zur Studentenbeseitigung. Natürlich kommt es ab und an mal noch vor, das alt bewährte, verbale Niedermetzeln, favorisiert werden aber Methoden der empirischen Sozialforschung, was weniger ein Stellungskrieg, als vielmehr Stochastik war, und vor allem Fridolin, die ultimative Waffe gegen Studenten. Fridolin klingt zwar wie ein scheues, nachtaktives Nagetier, aber in Wirklichkeit ist es die Atomwaffe der Universität. Fridolin, in dem ich mich mit Pin, Tan und unendlicher Geduld zu meinen Stundenplänen, und Studienbescheinungen durchwursteln muss, ist eine Geheimwaffe. So geheim, dass nicht einmal die Angestellten der Universität, die eigentlich für Auskünfte zuständig wären, über das Projekt bescheid wissen.
Aus diesem Grund traut man gerade in der Politikwissenschaft dieser Waffen nicht. Dort setzen die Dozenten auch heute noch auf die gute alte Diplomatie. Übersetzt heißt das: Sehr geehrte Frau Wedekind, sie schreiben kein Kinderbuch, sondern eine Hausarbeit, passen sie ihren Stil an und versuchen sie es nächstes Semester noch mal.
Oder: Ihr Stil ist ja ganz in Ordnung, bewerben sie sich doch bei der Bild-Zeitung, wenn sie ihre Exmatrikulationsbescheinigung abgeholt haben.
Gut, dachte ich mir, mein Stil gefällt ihnen also.

Bewährt mit der Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich für gut genug halten, um Informationen in Sätze mit weniger als vier Wörtern zu pBuchcoveracken und diese dann auch groß zu verkaufen, strebte ich also nach Höherem.
Ich hoffe, dass auch meine treuen Leser hier, ganz wie die zufriedenen Leser meiner Haus- arbeiten, meinen Stil, meine Geschichte und meine Charaktäre lieben werden.

Also für alle, die es herausfinden wollen:

Susann Wedekind
„1848. Revolution und Sehnsucht“
ISBN 978-3-938157-82-4

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~ von otzblog - Januar 23, 2009.

8 Antworten to “Stil-Ikone auf Abwegen”

  1. Nach diesen Absagen hast du ein Buch geschrieben? Ich hätte mich vermutlich im stillen Kämmerlein augehängt. Oder einen der Dozenten, aber sowas darf man ja nicht laut äußern…

  2. Bei mir zuhause gibt es ein Sprichwort: Nur die Harten komm in Jarten. 🙂

  3. Was ist das denn dann für ein Buch? Ein HardCover Roman 😉

  4. Nein, es hat den Vorteil, dass es in eine Tasche passt. Ein Taschenbuch quasi. Und ich haue dem Leser auch nicht die Taschen voll, weil die Revolutionsereignisse sind detailgetreu nachrecherchiert. Bis auf die Personen, ich vermute mal, die hat es in der Kombination nicht gegeben, ist alles echt. Und ich hoffe ihr habt beim Lesen echt viel Spaß.
    (Ja, ich weiß, das war plump, aber zur Zeit wird meine Kreativität was Anfangs- und Schlusssätze angeht ganz schön überstrapaziert)

  5. machst du eigentlich alles heimlich? demnächst kommst du etwas verschmutzt zum mittagsdate und hast nebenbei einen teleporter gebaut…erstaunlich! 😉

  6. Na wenn ich immer alles erzählen würde, dann gäbs ja keine Überraschungen mehr, oder?
    Außerdem soll man über ungelegte Eier doch nicht sprechen, bevor sie aus dem Huhn sind… naja, solange, wie man sie halt nicht sieht… du verstehst?

  7. Was machst du denn noch heimlich? Das ist ja unheimlich 🙂

  8. Mein lieber Scholli, n Buch… kann man dir nur gratulieren…

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