Frag niemals nie

Mit rot geschwollenen Fingern schiebe ich die Schwingtüren im Universitäts- hauptgebäude auf und atmete ganz langsam tief durch, damit mein Atem sich beruhigt. Zwar will ich mich nicht wie Harry Potter und seine Freunde an dem dreiköpfigen Riesenhund Fluffy vorbei schleichen, aber mein Gegner ist ähnlich gefährlich. Auf Zehenspitzen trippele ich in den toten Winkel des auf seinem Stuhl Sitzenden und starre den verworrenen Plan des Universitätshauptgebäudes an. Ich muss zu Seminarraum 159. Da ich mal in Seminarraum 158 ein Geschichtsseminar hatte, weiß ich, dass es dahinter keine 159 gibt. Der Raum muss also irgendwo anders sein. Meine Augen gleiten über die grünen und roten Linien, 235, 147, 149, aber keine 159.
Was genau mich verraten hat, weiß ich nicht, doch plötzlich sehe ich mich ihm gegenüber, dem Universitären Faktotum… manchen nur unter der Fummelpförtner bekannt.
„Aber hallo.“
Mein Blick zuckt panisch den Gang entlang, doch es ist zu spät. Der kleine, unscheinbare Mann mit der Brille und dem glatt nach vorn gekämmten, schon leicht ergrauten Haar hat bereits nach meinen Händen gegriffen, sie zwischen seine dicken, kurzen Finger genommen und sich so dicht neben mich gestellt, dass ich jede Pore auf seiner Nase sehen kann.
„Habe ich ihnen schon ein schönes neues Jahr gewünscht?“
Hatte er?
„Ähm… nein.“
Aber ich hätte da ein paar Dinge, die ich mir jetzt gern wünschen würde. Ganz oben auf meiner Wunschliste steht, dass er meine Hände loslässt. Der Fummelpförtner ist für das dezente Ziehen meiner Finger jedoch völlig unempfindlich. Schlimmer noch.
„Ich mag ihre Art.“
Er meint nicht meine Art persönlich. Er meint mit Art eher so meine Art generell. Also Art im Sinne der Unterscheidung von Mann und Frau. Der Fummelpförtner mag Frauen. So, jetzt ist es raus.

Also für alle Erst-, Zweit- und Drittsemestlerinnen, diejenigen, die schon länger hier studieren hatten mit 100 % Sicherheit schon das Vergnügen mit dem Fummelpförtner: Wer bis jetzt noch nicht so oft im Universitätshauptgebäude hatten oder aus irgendeinem anderen Grund ums Fragen nach einem Raum, oder auf den Plan Starren herumgekommen ist… Lauf!
Geh und such in den unendlichen Wirren des Hauptgebäudes, denn denk immer daran, die Universität ist ein Dschungel und wie die gefährlichsten Tiere in Australien bewiesen haben, tödlich sind meistens die unscheinbaren kleinen.

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~ von otzblog - Januar 16, 2009.

5 Antworten to “Frag niemals nie”

  1. Na sei doch froh, dass er nur deine Hände genommen und dir nicht gleich nen Ring angesteckt hat 🙂

  2. uiui – das ist ja übel.

    Mich hat heute auch ein Kollege absichtlich am Arm mit seiner Hand gestreift – ihh, wer will den so was? Der ist zwar nicht klein, aber schwabbelig. Ich hätte nicht weglaufen können, denn es war mein Arbeitsplatz. Aber ich denke mein Erlebnis ist viel harmloser als deins.

  3. Mich hat er noch nicht angefummelt – vielleicht weil ich keine Fummel trage, bin ja auch ein Mann. Aber er kann auch anders lästig werden: Unschuldig Rauchenden dreht er schnell mal in seiner Raucherpause vor der Tür ein ungewolltes Gespräch an. Als ob das Rauchverbot im UHG für uns nicht schon hart genug wäre…
    Dann lieber am Haupteingang mit dem Dicke eine schmökern 🙂

  4. So einen penetranten Pförtner, der mir viel zu persönliche Fragen stellt, denen ich nicht entkommen kann, kenne ich von „Arbeit“. (Wenn ich meinen Hiwi-Job als Arbeit bezeichne, werde ich oft schief angeguckt, deshalb die „“.)
    Ich kann deine Abneigung gegenüber diesem Gebäude also sehr gut nachvollziehen. 😉

  5. Schlimmer finde ich noch, wenn die sich so haben wegen ihres Titels. Die Meisten sind ja gar keine Pförtner, sondern Wachdienstler oder sowas… ich glaube, wenn man die da falsch anspricht, dann ist es aus mit der Fummelei und die beißen einem die Finger ab, anstatt daran herum zu spielen 😦

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