Ikea

Nachdem es ja letzte Woche mein Ziel war, mit der Schilderung dieses Baddebakels meine Leser auf meine Seite zu ziehen, war ich entsetzt, als mich unzählige Freunde in mehr oder weniger deutlichen Ansprachen baten, dem Großmeister der Werkbank zu huldigen, weil er ein so toller Hecht sei.
Hecht, von wegen! Der wäre mit ins Wasser gestiegen. Aber gut, ich verzeihe meinen Lesern viel und so habe ich mich entschlossen, etwas deutlicher zu werden:

Ein Ikeabesuch ist für viele von uns etwas ganz gewöhnliches. Für mich, die ich aus dem Hinterland komme, wo Möbel noch von Hand selbst geschreinert werden, ist es ein Highlight. Wann passt so ein Highlight besser, als zur Vorweihnachtszeit? Vor allem, wenn man ausschließen kann, dass man das, was man sich dort kaufen möchte, geschenkt bekommt. Nachdem ich Oliver nichts von den Huldigungen wegen seiner Werkbankattitüden erzählt hatte, war ich mir sicher, er würde sich schlecht fühlen, weil etwas so brisantes wie sein – von mir immer wieder dezent als Fehlverhalten bezeichnetes – Benehmen im Bad an die Öffentlichkeit gedrungen war. Ein Versuch konnte also nicht schaden.
„Sage mal, du hast doch am Wochenende noch nichts vor, oder?“
Oliver schnaubt.
Ich glaube, das ist Zustimmung.
„Weißt du, ich habe überlegt, dass man vielleicht mal wieder nach Erfurt fahren könnte.“
Sein Blick hebt sich von der neuen Gitarrenzeitung, die leider sonst jegliches Gespräch am Abendsbrottisch unterbindet.
„Und wo soll ich da parken?“
Für den nicht so firmen Leser hier die Übersetzung von Olivers dieser Frage vorangegangenen Überlegungen: Susann will nach Erfurt? Weihnachtsmarkt? Geschäfte? Innenstadt. Keine Parkplätze…
„Naja, ein recht großes, schwedisches Möbelhaus hat für genau diese Problemstellung etwas eingerichtet. Man nennt es einen Kundenparkplatz. Riesig, glaube mir.“
Oliver schnaubt wieder. Diesmal hört es sich eher nach einer Abmahnung wegen des leicht flapsigen Tons in meiner Stimme an.
„Naja, auf jeden Fall dachte ich, wir fahren mal zu Ikea. Ich habe hier schon eine Liste mit Dingen gemacht, die ich gern hätte.“
Olivers Blick gleitet zur Liste und überfliegt sie.
„Muss das sein?“
Das, was auf der Liste steht, oder Ikea?
„Ja.“
Olivers schicksalsergebenes Seufzen ist ein eindeutiges Na gut, aber nur, weil ich weiß, dass du mir sonst den ganzen Abend damit in den Ohren liegst!
Geschafft.
Doch dann zieht Oliver den Zettel noch einmal zu sich herüber.
„Aber das Bücherregal kaufen wir nicht bei Ikea.“
Ich sehe mir noch einmal den Zettel an. Ist ja nicht so, als wäre er voll. Bücherregal, Kelle, Sofakissen.
„Aber wir fahren wegen des Bücherregals hin.“
Oliver schüttelt den Kopf und begeistert blitzen seine Augen auf.
„Unsinn. Wieso bei Ikea lackiertes Sperrholz kaufen, wenn wir bei Obi für den gleichen Preis echtes Holz kriegen. Ich wollte morgen eh zu Obi, dann bringe ich das Holz gleich mit und Samstag bauen wir dein Regal.“
Aber Samstag wollte ich doch zu Ikea. Oliver tätschelt mir die Hand und wendet sich wieder seiner Zeitung zu.
„Wegen einer Kelle und ein paar Kissen müssen wir ja nun wirklich nicht den ganzen Sprit bis Erfurt verfahren.“

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~ von otzblog - Dezember 19, 2008.

5 Antworten to “Ikea”

  1. Ich mag Olli immer mehr! Selbst ist der Mann.
    Aber das heißt wohl du mußt mehr baden, damit er beim Regalbau nicht so alleine im Bad ist 😉

  2. Ein Mann, ein Wort! Von Ollis Kompromisslosigkeit können wir alle noch was lernen *g*

  3. Hallohohooo? Bin ich deine Freundin, oder Oliver? Du solltest auf meiner Seite sein. Ein bisschen Kopftätscheln, ein paar Lügen. Jawohl, lüg mich an. Sag mir, dass nicht alle Männer so sind und ich nur ein exzentrisches Exemplar abbekommen habe. Aber nein. Meine Freunde verbünden sich ja mit dem Feind!

  4. Du hast nen Mann, der dir freiwillig ein Regal zusammenbaut. Hallo? Erzähl meiner Freundin nur nich, dass es sowas gibt *g* Und Kellen gibt’s auch im Komma 10 😉

  5. Ach Norman, es geht doch um das Gefühl. Es fühlt sich einfach anders an ein Billy nach Anleitung zusammenzubauen und nach einer halben Stunde fertig und zufrieden zu sein, als zwei Wochen lang an einem Raumteiler zu basteln, sich anzukeifen weil Schrauben fehlen und irgendwelche Maße nicht ganz stimmen… ich will Billy (aber lass das Oli bitte nicht hören 🙂 )

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