Der Jenaer Zwei-Klassen Weihnachtsmarkt

Während in der Bundesregierung über ein Zwei-Klassen Bildungssystem debattiert wird, das es Kindern aus bildungsfernen Familien nicht möglich macht über den Realschulabschluss hinaus staatlich geförderte Bildung zu erhalten, geht es auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt um etwas viel Elementareres.
Es geht um Positionen. Nicht um Schwarz oder Rot, denn die Frage der Farbe auf dem Weihnachtsmarkt ist dank Coca Cola längst geklärt. Es geht vielmehr um die Position der Stände. In Frankreich ist man, nachdem festgestellt wurde, dass der dritte Stand über Gebühr aus der politischen Landschaft ausgeschlossen wird, auf die Barrikaden gegangen. In Jena beschränkt man sich auf verbales Gemetzel.
Der Grund?
In Jena gibt es einen Zwei-Klassen Weihnachtsmarkt. Die Economy-Class der Glühwein und gebrannte Mandeln Verkäufer befindet sich nahe des Eichplatzes, an BH-Verkäufer Stände geschmiegt und direkt beschallt vom Autoscooter. Der First-Class Weihnachtsmarkt ist dort, wo er hingehört. Auf dem Markt.
Die Ursache für die Anfeindungen?
Für manch einen mag das ein Rätsel sein, aber tatsächlich ist weniger die anstrengende Musik des Esoterikerstandes in Richtung H&M Grund zur Klage, als vielmehr die Tatsache, dass vom Autoscooter angelockt, hauptsächlich die Jugendlichen diesen Weihnachtsmarkt stürmen, maximal einen Glühwein trinken, pöbeln, lärmen und dann an den gebrannten Mandeln vorbei wieder zurück zum Autoscooter stürmen, um dort ihr mitgebrachtes Bier zu trinken. Anders ist das auf dem Erste-Klasse Weihnachtsmarkt. Hier, sich um den Hanfried windend, von den Turmbläsern unterhalten und von Chören besungen, schmiegt sich die Jenenser Elite, trinkt Glühwein vom Winzer und kauft den Lieben haufenweise Essen, Holzspielzeug und Bürgeler Porzellan.
Der Streitpunkt ist klar.
Wer auf dem Zweite-Klasse Weihnachtsmarkt seinen Stand hat, wurde ausgebootet. Ob Gelder geflossen sind, die Standanmeldungslisten vorab schon vetternwirtschaftlich unter der Hand herumgereicht wurden oder was sonst dazu geführt hat, dass einige Stände eben nicht auf dem Erste-Klasse Weihnachtsmarkt stehen, ist unklar. Man munkelt, dass es möglicherweise ein Platzproblem gibt und deshalb nicht alle auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Markt stehen können. Aber solchen Lappalien muss man gerade zur Weihnachtszeit keine Beachtung schenken. Dieses ganze besinnliche Getue dient doch nur dazu, den Zweite-Klasse Weihnachtsmarktständlern die Sicht aufs Wesentliche zu trüben. Und das Wesentliche ist es, ganz unabhängig von den Gründen, erstmal gegen alles zu wettern. Also Krieg der Zwei-Klassen Weihnachtsmarktstand-gellschaft!!!

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~ von otzblog - Dezember 5, 2008.

2 Antworten to “Der Jenaer Zwei-Klassen Weihnachtsmarkt”

  1. Outet man sich jetzt, wenn man den Glühwein nur auf dem „1st class“-Weihnachtsmarkt konsumiert hat?

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