Körper teilen

Anlässlich des Thüringentages für Philosophie möchte ich gern laut über eine interessante Veranstaltung nachsinnen. Körperteile(n) heißt die Ansammlung von Vorträgen, die in Kategorien wie Teilen, Abteilen und Verteilen unterschieden wird und genau diesen Freitag stattfindet.
Hochgestochener Mist, sagen sicher die meisten, wenn sie hören, dass sich auf einer solchen Veranstaltung mit der solidarischen Widerspruchsregelung als ethischem Imperativ bei der postmortalen Organentnahme beschäftigt wird. Aber wenn wir eingehender darüber nachsinnen, wird uns klar werden, dass wir viel öfter unseren Körper in Teilen teilen, als uns bewusst ist.
Natürlich gibt es da Extreme, wie die Nieren-längerfristig-Abtreter, aber um die soll es mir gar nicht gehen. Es geht um die alltäglichen, kleinen Körperteilungen, wie um das Leihen beispielsweise.
Ich für meinen Teil leihe jeden Dienstag früh in der Vorlesung jemandem mein Ohr. Nach zwanzig Minuten in sauerstoffarmem Raum teile ich dann meine Schulter mit meinem Sitznachbarn und nach einer Dreiviertelstunde könnte ich mich nicht mal mehr unter Lebensgefahr mitteilen.
Oder ich leihe jemandem meine Stimme. Das tue ich teilweise ungern, manchmal ist es aber auch eine unterhaltsame Sache, vor allem, wenn man bestimmte Einstellungen mit anderen teilt. Aber damit noch nicht genug. Neben meinen Ohren und meiner Stimme, teile ich auch anderes mit den Menschen in meiner Umgebung.
Meiner Oma habe ich zu ihrem Geburtstag mal meine Augen geliehen, im Hinblick aufs Buffet war das ein außerordentlich angenehmer Teil der Teilerfahrung. Eine weitere, sehr angenehme Erfahrung war das Teilen von Körperflüssigkeiten, auf das ich hier aus Pietätsgründen jedoch nicht weiter eingehen will, obwohl ich gelesen habe, Sex sells.
Und dann natürlich die entschiedenste Teilung überhaupt, über die unzählige große Autoren in noch viel unzähligeren Schriften lamentiert haben. Wenngleich noch immer an Ort und Stelle, was wohl ein Nieren- oder- andere- Organe- längerfristig- Abgeber nicht von sich behaupten kann, so findet sich auch in meinem Leben das Phänomen, dass ein Teil meines Herzens verliehen ist. Manchmal ist diese Art des Teilens fast so, als hätte man ein amputiertes Bein, dann nämlich, wenn der Phantomschmerz zuschlägt, doch meistens toppt nichts das Gefühl eines geteilten Herzens.
Eine Veranstaltung zum Thema Körperteile(n) ist also ein bodenständiges, aus dem Leben gegriffenes Projekt und jedem, der etwas anderes behauptet, nur, weil das Projekt von wortklaubenden Akademikern ins Leben gerufen wurde, leihe ich gern mal meine Faust. Aufs Auge… 😉

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~ von otzblog - November 14, 2008.

Eine Antwort to “Körper teilen”

  1. Der Spruch des Tages kam heute von Dr. Wolfram Eberbach, der dem Plenum etwas über „ausgefuchste Fixer“ erzählte! Gibt nen Daumen 🙂

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