Abenteurer ahoi

Nicht anders als Robinson Crusoe, bin auch ich überglücklich, wieder in die Zivilisation zurückgekehrt zu sein. Sieben Wochen in Mainz sind jetzt vielleicht keine 28 Jahre auf einer einsamen Insel, aber es gibt da gewisse traurige Parallelen.
Das die Eingeborenen im westlichen Teil unseres schönen Landes Kannibalen wären, kann man nicht behaupten, wenngleich fressen oder gefressen werden da schon auf der Tagesordnung steht. Aber für Kannibalismus haben sie einfach zu wenig Interesse an ihren Mitmenschen.
Das schließt allerdings die durch Desinteresse zutage tretende Einsamkeit mit ein. Hätte ich nicht meinen Freitag gehabt, den Freitag, an dem ich frei nehmen und nachhause fahren durfte, ich wäre vermutlich eingegangen in meiner kleinen Behausung. Aber man soll sich ja dran freuen, was man hat, und ich hatte immerhin Toilettenpapier und musste mir nicht mit Gummibaumblättern… oder so. Naja. Im Gegensatz zu Robinson musste ich auch keine Eierschalen aufstellen, um Trinkwasser aufzufangen. Wasser gab es aus dem Hahn. Trotz dieser kleinen Unterschiede fühle ich mich der großen literarischen Figur eng verbunden, denn auch bei mir war das Speisenangebot begrenzt.
Er hatte Echse, ich Spaghetti.
Wenn man es sieben Wochen lang jeden Tag gegessen hat, schmeckt es ohnehin nach nichts mehr. Selbst Variationen wie Spaghetti mit grünem Pesto, mit rotem Pesto, mit Schafskäse und Oliven zu Pesto, ohne Pesto, dafür mit Tomatensoße aus dem Glas, oder mit selbst gemachter Tomatensoße, auch mal mit Gehacktem und Soße, oder ganz ohne Soße, dafür nur mit Ketschup, täuschen nicht über die immer gleich bleibende Konsistenz der Spaghetti hinweg. Da hilft auch kein mal kurz, mal lang kochen. Spaghetti bleibt Spaghetti, ob totgekocht weich oder aldente bis knüppelhart. Bei Echsen ist das bestimmt auch nichts anderes.
Armer Robinson.
Und dann, zurückgekehrt ins Land der Nahrungsmittelvielfalt, zu einem vollen Kühlschrank und unbegrenzten Möglichkeiten an Küchengeräten, Fleisch und Kartoffelgerichten, kann der auf Spaghetti eingestellte Magen all das nicht verarbeiten.
Er rebelliert und verneigt sich ehrfürchtig vor dem Überleben Robinson Crusoes, während er sich schmerzlich zusammenzieht und wehmütig knurrend nach weich gekochten Spaghetti verlangt.

Mrs. Robinson

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~ von otzblog - Oktober 10, 2008.

2 Antworten to “Abenteurer ahoi”

  1. Hier noch ein paar Anregungen für all diejenigen, die Spaghetti ebenso oft essen und derzeit vielleicht lieber mögen als ich:
    http://www.spaghetti-rezepte.de/
    und
    http://www.daskochrezept.de/rezepte/nudeln-und-nudelsossen/spaghetti/

    Bon appetito

  2. ich empfehle aufs äußerste fideua marinera. diese woche gegessen. hat das prädikat „gaumenkitzeldeluxe“ bekommen…

    http://www.chefkoch.de/rezepte/699481172497341/Fideua-Marinera.html

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