Übersättigt

Während ich fluffig weiches Toastbrot mit delikatess Kalbsleberwurst, in Kombination mit einem saftig süßen Pfirsich esse, hungern in Afrika Kinder.

Aus diesem Grund dachte sich 3Sat es ist mal wieder Zeit das Thema Hunger aufzugreifen und alles, was über den Sender geht unter den großen Schirm des neuen Hungers zu stellen.

Hunger in Äthiopien, Hunger in Simbabwe, Hunger in Deutschland, oder eher ein Mangel daran.

Und das Schlimme ist, ich hab es satt.

Vermutlich trifft mich bei diesem Gedanken die gleiche Scham wie all diejenigen, die abends vor dem Fernseher sitzen und Nachrichten gucken, wo wieder kleine Kinder in die Linse blinzeln, deren Bäuche mit Wasser gefüllt und aufgedunsen sind, während wir noch ein bisschen Schokolade naschen.

Aber Scham ist keine Lösung.

Entwicklungshilfe ist keine Lösung und auch das Unterlassen von Entwicklungshilfe ist keine Lösung.

Das ist die Quintessenz dieser Woche.

Was fange ich damit an? Fühle ich mich schuldig, wenn ich die Schokolade genieße, die ich mir von meinem sauer verdienten Geld gekauft habe? Fühle ich mich schuldig, wenn ich etwas wegwerfe oder etwas in meinem nicht richtig funktionierenden Kühlschrank verdirbt, weil es bei uns alles in so großen Packungen gibt, dass Überfluss fast unumgänglich ist?

Ja. Das tue ich.

Aber ist das der richtige Weg?

Führt nicht Scham dazu, dass ich mich verstecke, dass ich die Augen verschließe, um dieses unangenehm drückende Gefühl zu verdrängen, das sich mir auf den Magen legt? Führt Scham nicht meinen Finger auf der Tastatur der Fernbedienung dazu umzuschalten?

Das tut sie.

Scham ist eine mächtige Triebfeder bei der Programmauswahl.

Diejenigen die Programme machen, diejenigen die auf dem Flur des Sendezentrums an mir vorbei gehen, den Blick auf ihre Aufzeichnungen und Sendebänder geheftet, diejenigen sollten das Wissen, nicht wahr?

Aber sie hören nicht zu.

Es ist Hungerwoche.

Und sie sind übersättigt.

 

xxx

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~ von otzblog - September 26, 2008.

2 Antworten to “Übersättigt”

  1. ich glaube kaum, dass mehr als 10% vor scham umschalten.
    der rest schaltet aus desinteresse, langeweile oder unverständnis weg, denn was auf der mattscheibe passiert ist nicht greifbar, fassbar – vor allem internationale nachrichten nicht.

    was nicht in meinem landkreis passiert, eignet sich schlecht für den plausch mit der kassiererin im norma um die ecke. da redet man doch lieber über den unfall auf der a9, mit 3 toten „und der schwager des besten freundes der cousine meines neffen hats live gesehen“.
    das ist greifbar, da hat man mehr „emotionale tiefe“…oder so…

  2. Ja, aber war das schon alles?
    Emotionale Tiefe für Oma Herda, damit sie was zu plauschen hat?
    Sollte nicht hinter der Programmzusammenstellung, hinter den Berichten, hinter der Themenauswahl mehr stehen als Quote? Wenn wir nicht irgendwo anfangen das Niveau anzuheben und Anspruch aufzubauen, dann wird es auch nie anspruchsvolles Fernsehen für die breite Masse geben!

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