Windstille

Geistige Windstille kann nicht durch operative Hektik ersetzt werden. Dies ist eines der vielen Dinge, die ich aus meinem Praktikum mitnehmen werde.

Das Kartoffel nicht gleich Kartoffel ist und in Belgien eine Maschine entwickelt wurde, mit der man herausfinden kann, welche die geeigneten Pommeskartoffeln sind, ist noch so was. Was ich damit mache, weiß ich aber noch nicht genau.

Also zurück zur Windstille.

Windstille ist was Schönes. Also dachte ich mir, ich probiere es auch mal. Ich lasse mich auf das schmale Bett in meinem Zimmer sinken. Das ist ein guter Anfang.
Wie von selbst kriechen meine Füße zur Decke, schmiegen sich unter das weiche Frottee und spontan erschlafft mein Körper.

Jap, das ist der richtige Ort für meine Windstilleversuche. Ich rolle mich auf meinem Bett zusammen, zieh mir die Kuscheldecke bis unters Kinn und bin geistig Windstill.
Das ist ein guter Plan, nachdem ich die ganze Woche in operativer Hektik durch die Redaktion gewuselt bin. Ich musste mich mit solchem Unsinn herumschlagen, wie der Frage, ob die Kurzform NIF, also Nachricht im Film, in der Mehrzahl NIFs oder NIFen heißt.
Ah, aber ich wollte doch Windstill sein. Okay, ich bin Windstill. Jetzt.

Aber so richtig still ist es gar nicht. Da ist der Rasen trimmende Hausmeister vor dem Fenster. Ob ich aufstehe und das Fenster zumache? Aber dann ist es wieder so stickig wegen des Kühlschranks. Nein, ich lasse das Fenster lieber offen. Bestimmt mäht der Hausmeister gleich woanders.
Windstille Susann, jetzt!

Manchmal muss man sich selbst ein bisschen zur Räson rufen. An gar nichts denken ist gar nicht so einfach, wie man immer denkt. Männer können ja an gar nichts denken, sagt man. Für Frauen scheint das komplizierter zu sein. Ähm, also speziell für mich. Aber das liegt bestimmt daran, dass ich noch nicht in der richtigen Position bin. Also strecke ich meine Beine aus, rücke das Kissen so, dass es meinen Kopf ganz ohne mein Dazutun hält und starre.
Na endlich. Ganz langsam verschwimmt die weiße Decke vor meinen Augen. Das fühlt sich doch wie Windstille an.

Aber da sind graue Schlieren an der Decke. Ob der Hausmeister sie bemerkt, wenn er das Zimmer abnimmt? Vielleicht rechnet er positiv dagegen, dass ich zum Posteraufhängen extra Klebestreifen benutzt habe, die keine Spuren hinterlassen. Apropos Poster. Schön sind die ja nicht. Aber dafür war es gestern auf Arbeit schön. Schön viel zu tun. Was tun könnte ich hier eigentlich auch. Könnte mal wieder aufräumen. Aber der Raum ist so klein, da lohnt sich das gar nicht. Klein ist der Kühlschrank auch, aber da würde es sich vielleicht lohnen mal reinzusehen.
Mein Magen knurrt.

Befriedigt stehe ich auf und gehe zum Kühlschrank. Windstille macht hungrig. Ich finde, ich war recht erfolgreich bei meinem Versuch an nichts zu denken, da kann man sich auch mal mit einer kleinen Leckerei belohnen. An nichts denken ist ja auch gar nicht so einfach, aber eine Meisterin der Selbstbeherrschung, wie ich eine bin, macht das natürlich mit links.

 

Susi Selbstbeherrschung

Advertisements

~ von otzblog - September 19, 2008.

Eine Antwort to “Windstille”

  1. Gestern habe ich den Sekundenschlaf für mich entdeckt. Für alle, die wissen, dass ich diese Woche mit dem Auto zur Arbeit fahre… nein, nicht beim Autofahren. Vor dem Rechner, im Büro. Einige Kollegen haben sich zum Fußball aufgemacht, andere waren schon seit vier Stunden zuhause und wieder andere gar nicht da. Auf den Fluren war es still und vor mir flimmerte nur der weißlich blaue Bildschirm. Und da war es… das NICHTS. Windstille… ein herrliches Gefühl.

    Nur viel zu kurz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: