Aktion Sonne

Eigentlich hatte ich für diese Woche meine Kolumne schon fertig. Es fehlte zum Abschluss nur noch jemand, der meine gruselige Kommasetzung korrigierte. Ich war eigentlich auch ganz zufrieden mit dem Text über das Tollwutgebiet, vor dem rings um den Mainzer Campus groß aufgehängte Schilder warnen.
Doch dann öffnete mir jemand die Augen. „Aktion Sonne“ schrieb er, nachdem er sich einige meiner Beiträge durchgelesen hatte. „Gibt es bei dir eigentlich überhaupt nichts zum Freuen, Lachen oder zum Genuss des Lebens, das du mit deinen Lesern teilen willst? Bisher nörgelst du dich ja nur fleißig durchs Web.“
Und wisst ihr was? Recht hat er!
In Cern experimentieren sie wild darauf los und wer weiß, vielleicht verschlingt uns die Antimaterie, vielleicht verschwindet alles Unschöne bald in einem schwarzen Loch. Und was tue ich? Ich hänge mich daran auf, als gäbe es nichts Wichtigeres, als spielten lästernde Kollegen, versteckte Schikane im Büro und die undankbaren Jobs wirklich eine Rolle.
„Wenn du nicht bald mal was Nettes schreibst, dann zwinge ich dich zum Gruftischupsen ins Kassa.“
Diese Drohung hat gewirkt mein Freund. Also teile ich heute die Liebe mit euch, die ich auf der Busfahrt vom ZDF zurück zur Universität erfahren habe. Es war eine tiefe Liebe, wild und laut. Ich war zwar nur passiver Zuschauer, quasi in der zweiten Reihe im Bus und vielleicht hatte ich nicht so einen guten Blick auf das Pärchen wie der Busfahrer, aber ihre Zuneigung schwappte mir dennoch entgegen, verzweifelt und inbrünstig, als würde die Welt schon heute untergehen.
Ich war einen Augenblick lang damit beschäftigt, mich zu fragen, wie man solch merkwürdig zutschende Geräusche mit dem Mund machen könnte, ohne dabei in Lachen oder Schamesröte zu vergehen. Deshalb habe ich das Intermezzo der anschaulichen Liebeszene nur am Rande mitbekommen. Der Text aber war mir so vertraut, als hätte ich ihn schon mal irgendwo gelesen.
„Du bist so wunderschön, so unendlich wunderschön.“
Welche Frau möchte so etwas nicht hören? Seufzend haben wir uns angesehen, wenngleich ich glaube, dass des Busfahrers Seufzen weniger aus tiefstem Herzen, als vielmehr aus ehrlicher Abneigung entsprang. Meines war echt.
„Unendlich schön.“
Liebe macht Blind, sonst hätte er ihren riesigen Hintern nicht übersehen können, aber ich möchte daran glauben, dass auch ich solche Blindheit erleben darf. Vorzugsweise könnte diese Blindheit bei meinem Partner gleich unterhalb meines Busens anfangen, denn wer wie ich im Glashaus sitzt, sollte auf weibliche Rundungen keine Steine werfen.

Susi Sonnenschein

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~ von otzblog - September 12, 2008.

2 Antworten to “Aktion Sonne”

  1. Hier noch eine Fußnote zum Text: Ich habe nachgeschlagen, wo ich den Satz „Du bist so wunderschön, so unendlich wunderschön.“ schon mal gelesen habe.
    Es war bei Johanna Lindseys “Lodernde Träume”. Ungefähr da, wo der als Stallbursche verkleidete Herzog von Wrothston, Devlin Jeffreys, die bildhübsche (ja, in solchen Büchern sind die Männer immer unglaublich ausdefiniert und die Frauen werfen sich das perfekt glänzende, dicke und von Natur aus gewellte Haar über die milchig weißen Schultern…) Tochter des Gutsbesitzers, Megan Penworth, an sich reißt und sie verschlingt…
    Dachte mir, ich weise in wissenschaftlicher Manier meine Vermutung nach, dass ich den Satz irgendwo her kenne 🙂

  2. Hey, hey. Einfach aus der Mail zitiert, um den Blog zu füllen. Aber wenn es hilft ein wenig Spätsommersonne ins Web zu bringen… *verbeug*

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