Hackordnung

Sie verstecken sie hinter einem vagen Lächeln, einem angebotenen Du, auf einem Firmenfest oder in einem Großraumbüro. Aber sie ist immer da.
Die Hierarchie.
Hierarchie ist scheinbar ein Jahrtausende altes Modewort, das sich die Menschen einfallen ließen, um etwas viel Primitiveres als die komplexen Strukturen einer Gesellschaft zu umschreiben. Bei der Hierarchie geht es um das urinstinktive Triebverhalten von Menschen, um die Unterdrückung nämlich. Hierarchie ist die vergesellschaftlichte Umschreibung dessen, was man in der Tierwelt als Hackordnung bezeichnet. Nie wird einem das bewusster, als wenn man der ist, der gehackt wird.
So geschehen, in meiner derzeitigen Position als devote Praktikantin. Die Frage ob fressen oder gefressen werden stellt sich nicht, ist man das vermeintlich schwächste Glied in einer Kette. Doch wie organisiert sich die Hierarchie, oder auch Hackordnung, in Unternehmen? Die Natur gibt vor, dass der Stärkste den Schnabel vorne, oder auch oben hat. Wir, als vergesellschaftliche Wesen müssten also leistungsorientiert so strukturiert sein, dass derjenige, der den Schnabel vorn hat, der Beste ist.
Im Hacken vielleicht.
Ansonsten kann ich bei denjenigen, die zupicken wie wilde Emus qualitativ keinen Unterschied zu mir ausmachen.  Was ist es dann? Vielleicht die Schnabelgröße. Definitiv hat die was mit der Position in der Hackkette zu tun. Wer einen großen Schnabel hat, hat einen weiten Einzugsbereich an hackbaren Kollegen. Wenn ich also jetzt meinen Schnabel aufreißen würde, müsste ich rein theoretisch in der Hackordnung aufsteigen. Die Theorie passt aber nicht so ganz zur Praxis, wie ich schmerzliche 3 Monate lang bei meinem allerersten Praktikum lernen musste. Die Lebensschule beweist, ein großer Schnabel führt nicht automatisch zum Aufstieg in der Hackordnung, wenngleich er vielleicht einiges Gehacke erspart. Weder Strebsamkeit, Fleiß, Qualifikation noch Schnabelgröße sind also für die Hackordnung ausschlaggebend. Vielleicht ist des Rätsels Lösung ein breiter Hintern.
Denn wenn man fest im Sattel, oder besser auf einem Stuhl im Unternehmen, sitzt, lässt es sich leichter Hacken, schließlich kann man nicht so leicht heruntergestoßen werden. Doch gibt es breitärschige Hacker auch in niederen Positionen, was diese Vermutung wiederlegt. Da sich leider nicht immer eindeutig ausmachen lässt, warum derjenige, der hackt, den Schnabel vorne hat, kann ich nur aus meinem reichhaltigen Fundus an zugefügten Verletzungen versuchen einen vagen Mittelweg zu finden, denn die Strukturen durchblicke ich leider nicht.
Wie also lässt sich der Pelz vor Hackschäden bewahren?
Nun, am besten funktioniert das Kindchenschema. Große Augen, die Unterlippe leicht vorgeschoben, ganz winzige, unschlüssig verzweifelte Runzeln auf der Stirn. Das Sichert vor Hackschäden männlicher Hacker, kann allerdings auch zu schmerzhaftem Gehacke weiblicher Kollegen führen. Forsches Auftreten verschreckt Hacker mit kleineren Schnäbeln, kann aber zu Schäden von Großsschnäblern führen. Devotes Interesse ist in alle Richtungen eine relativ gute Absicherung, wenngleich es immer Hacker gibt, die grundlos Hacken. Gegen diese Exemplare gibt es keine Strategie, außer Abwesenheit.
Warum heute dieser Exkurs und keine nette, kleine Anektdote aus meinem derzeitigen Praktikumsverhältnis?
Nun, einerseits, weil es keine netten, kleinen Anekdoten aus meinem derzeitigen Praktikusmverhätlnis gibt. Anderseits heißt es doch so schön: Ein Dummer lernt nicht. Ein durchschnittlich intelligenter Mensch lernt aus seinen eigenen Erfahrungen und ein Kluger lernt aus den Erfahrungen Anderer.
Ich hoffe, ich habe kluge Leser.

Susi Schnabelklein

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~ von otzblog - August 29, 2008.

Eine Antwort to “Hackordnung”

  1. […] Mensch unterstellt man anderes. Es könnte z.B. der Versuch sein, ein besseres standing in einer Hierarchie zu erlangen. In Anbetracht der Komik, die der Anblick dieses Paares hervorruft, ist dieser Gedanke […]

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