Weisheit in Zahn

Die Schmerztabletten wirken… so ungefähr drei bis vier Stunden.

Der leicht drückende und im Rhythmus meines Herzens pochende Schmerz dort, wo nur Stunden zuvor noch einer meiner Weisheitszähne war, wabbert in Wellen über mich hinweg. Dank der Tabletten schwappt er jedoch nur ganz leicht in mein Bewusstsein. Ebenso wie Hunger, das Bedürfnis mich geistig rege an irgendetwas zu beteiligen, Ärger oder jegliche andersgeartete Regung meines Gemüts. Die Tabletten packen nicht nur den Schmerz in Watte, sondern auch alles andere.

Eigentlich hatte ich nur zu meinem jährlichen Besuch beim Zahnarzt gehen wollen. Ein kurzer Anruf, ein Termin, das behände Wegkratzen von Zahnstein, damit die zehn Euro Praxisgebühr, die ich vorne an der Rezeption prophylaktisch abgegeben musste auch ja in der Praxis bleiben und dann wieder nach hause. Die letzte Woche Uni und ich wollte es ausnutzen, das alles ein wenig gemächlicher läuft, wollte in die Bibliothek und mich an den leeren Kopierern freuen.

Stattdessen sitze ich zuhause und bin auf Dolormin.

In gut einer Woche fahre ich in den Urlaub, aber meine Vorfreude ist getrübt, um nicht zu sagen, betäubt.

Oliver schleicht leise um mich herum, als habe er Angst, der schlafende Drache würde aufwachen und Feuer spucken. Aber der Drache siecht und außer einem leichten Brennen links am Kiefer ist mit Feuer nichts zu machen. Das pürierte Mortadellatoast gammelt in einem kleinen Schälchen neben mir auf dem Tisch und wenn ich mich dazu aufraffen könnte meinen Kopf zu drehen, dann würden mich bestimmt auch ein paar von den saftig gelben Bananen verlockend anlächeln, die ich kauen müsste und deshalb von meinem Speiseplan gestrichen habe. Gleichgültig sackt mein Kopf zurück an die Sofalehne. Dorthin, wo der Kühlakku sich treu an meine Wange schmiegt.

Dabei hat alles so verdammt viel versprechend angefangen. Freundlich hatte mich die Schwester ins Behandlungszimmer geleitet, mich auf den Stuhl gesetzt und das goldgelbe Licht über mir hatte mich zuversichtlich gestimmt, mir ein Lächeln auf den weit geöffneten Mund gezaubert. Mein Zahnarzt hatte das Lächeln erwidert.

<< Sie haben schöne Zähne, Frau Wedekind. >>

Beruhigt hatte ich die Augen geschlossen, mich auf das abkratzen von Zahnstein vorbereitet, als sich mein Mund plötzlich wieder schloss, befreit von Spiegel, mit Gummi behandschuhten Fingern und Werkzeug.  

<< Wirklich schöne Zähne. Nur vier zuviel. >>

 

Susi Schmerzgeplagt

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~ von otzblog - Juli 18, 2008.

Eine Antwort to “Weisheit in Zahn”

  1. na geil, ich habe auch für nächste woche einen zahnarzttermin und die weisheitszähne drücken…dann sollte ich wohl nun anfangen, kosmonautennahrung einzukaufen.

    schönen urlaub!

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