Under Construction

•April 24, 2009 • 1 Kommentar

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Brandheiß

•April 17, 2009 • 4 Kommentare

…oder auch Brandaktuell. Denn erst gestern saß ich mit Freunden vor mich hinbrutzelnd im UHG beim Mittagessen, als ein merkwürdig zwitscherndes, pfeifendes Geräusch die mittägliche Unruhe auf dem Innenhof störte. Anfänglich waren keinerlei Reaktionen der Essenden zu erkennen, doch als die ersten größeren Gruppierungen durch die automatische Tür neben der Cafeteria strömten, angeführt oder begleitet von hektisch erröteten Dozenten, breitete sich eine dezente Unruhe unter denen aus, die in der Sonne schmolzen. Das merkwürdige Geräusch enttarnte sich als Feueralarm und nicht wie anfänglich vermutet, als schräger Handyklingelton und kaum, dass diese Erkenntnis sich in den überraschten Gesichtern der Geröteten abzeichnete, erklang vom Fürstengraben herüber auch schon die erste deutlich als dies zu erkennende Sirene. Unschlüssig, wie sich zu verhalten sei, wenn man nicht gerade folgsam einem Dozenten hinaus vor das UHG folgen konnte, sondern als Privatperson und unbeaufsichtigt im Innenhof aß, flackerte unser Blick zum augenscheinlich geeignetsten Fluchtweg. Kein Feuer zu sehen.
„Ich bring mal die Tabletts rein.“ Einer der Langzeitstudenten, mit denen ich so gern verkehre, räumt lässig die Tabletts zusammen und bringt sie hinein. Einen Langzeitstudenten kann nach der Langzeitstudiengebühr und dem Lächeln, dass er erntet, wenn er gesteht, dass er bereits seit 1998 an der Uni ist, nichts mehr schocken, wie es scheint, denn während alle anderen ihm aus dem vermeintlich brennenden Gebäude entgegenströmen, schreitet er gelassen in die Höhle des Löwen und stellt unsere Tabletts ab.
„Die haben die Cafeteria geschlossen.“ Verkündet er, als er wieder herauskommt und tatsächlich kann man durch das Fenster die heruntergelassene Gitterwand sehen. Bei mir stellt sich langsame Unruhe ein, als der Strom der aus dem UHG Kommenden zu einem nicht enden wollenden Personentross wird und erleichtert reihe ich mich in eine Gruppe Erasmusstudenten ein, in der jeder hektisch in verschiedensten Sprachen auf seinen Betreuer einredet. Draußen angekommen schlängele ich mich den schmalen Plattenweg an der Poststelle des UHG vorbei.
„Hab mich schon gewundert warum der Dicke heute nur so selten im Hof war.“ Spöttelt die rundliche Dame, die lässig ihre Zigarette mit dem Hacken ausdrückt und dann die Arme vor der Brust verschränkt.
„Vermutlich hat er sich entschieden doch in seinem Büro zu rauchen.“ Frotzelt sie und über die Gesichter einiger Umstehender wandert ein verhalten erheitertes Lächeln. Die Vorstellung des Rektors, wie er ertappt mit einer halb gerauchten Zigarette vor zwei Feuerwehrmännern in voller Montur zu erklären versucht, wie er den Feueralarm ausgelöst hat, ist durchaus eine erheiternde…

Gedächtnisfeier

•April 10, 2009 • 4 Kommentare

Ostern wird gemeinhin auch als Fest des Gedenkens, oder Gedächtnisfeier beschrieben. Dass dabei weniger das dieser Kolumne zugrunde liegende Thema ausschlaggebend war, als vielmehr das Gedenken an den Tod und die Wiederauferstehung Christi, ist wohl allen klar. Da aber schon unzählige Einträge im Internet zu diesem Thema, seien sie wissenschaftlich oder eher populär-medial, zu finden sind, habe ich mich entschieden, dieses Osterfest unter einem anderen Gedächtnisaspekt zu betrachten. So habe ich Ostern immer als Gedächtnistraining, weniger als Feier des Gedächtnisses erfahren.
Seit Jahren schon wechselt sich die bucklige Verwandtschaft darin ab, Eier zu verstecken. Früher stand dies einzig den Eltern zu, seit meine Cousinen und ich unser Abi in der Tasche haben, wurde der Schuh allerdings umgedreht. Seit dem ist es in unserer Familie Tradition, dass die Kinder die Eier verstecken und die Erwachsenen (also die älteren Erwachsenen) die Eier suchen.
Bewährt mit den Eierpappen und den darin eingepackten, am Vorabend bunt gefärbten Eiern, geht es also im morgendlichen Dämmerlicht raus in den Garten und die Eier werden versteckt. Da es das Ziel von Verstecken ist, nicht gefunden zu werden, legt die jüngere Generation die Eier nicht einsehbar auf den Dachgepäckträger des Autos, in irgendwelche Grasnester auf Baumstümpfen oder in kleinen Kohorten mitten auf den Rasen. Nein! Die Eier werden ordnungsgemäß und mit viel Mühe so versteckt, dass das Finden eine ehrliche Herausforderung ist. 30 Eier gilt es ab dem Zeitpunkt zu suchen, ab dem die Jugend mit den leeren Eierpappen auf der Terrasse erscheint. Bis zum Frühstück, was traditionell eine halbe Stunde nach Suchbeginn anfängt, sollten die Eier aufgetrieben sein, aber schon nach den ersten unsicheren Schritten der älteren Generation wird alljährlich klar… Frühstück um halb zehn ist Wunschdenken.
Gegen zehn kommen die Ersten wieder zurück, erschöpft, ausgelaugt, erfolglos. Die Pappen sind vielleicht zu einem Dreiviertel gefüllt, einige Eier sind noch nicht aufgetaucht. Aus Erfahrung geben wir den Eiern jedes Jahr eine ganz spezielle Note, damit nicht zufällig Eier aus dem letzten Jahr in den Pappen auftauchen. Sieht gut aus. Keine alten Eier aufgetaucht. Traurigerweise werden ein paar der diesjährigen Eier auch nicht wieder auftauchen, denn die Crux im Verstecken liegt darin, sich danach noch an die 30 Verstecke im Garten zu erinnern, womit wir wieder bei der Gedächtnisfeier wären, in deren Fokus eher das Gedächtnistraining im Hinblick aufs nächste Jahr und weniger das Feiern stehen sollte, denn wieder blieben Eier verschollen…
osterhasen

Da jeder Ostern auf andere Art und Weise begeht, würde ich mich freuen, wenn ihr mich und die anderen Leser an euren Osterbräuchen teilhaben ließet. Zu diesem Zweck schickt doch einfach eure Geschichten an diese beiden possierlichen und vom Eiergeschleppe erschöpften Osterhasen, oder schreibt einen Kommentar 🙂

Lichtgedanken oder doch eher Nicht-Gedanken?

•April 3, 2009 • 6 Kommentare

Mh, denke ich mir, als ich durch den zum Fürstengraben hinaus liegenden Eingang ins UHG gehe, hübsches grünes Licht. Grün nämlich, ohnehin meine Lieblingsfarbe, die Farbe der Hoffnung, beschimmert der Scheinwerfer das Gebilde an der Wand im Foyer. Das vermeintliche Kunstwerk besteht aus einem mit schwarzem Stoff bezogenen Rechteck und darauf befestigten Mosaikfliesen aus dem Bastelladen, sowie einigen Gipsplatten, in die das Wort „Lichtgedanken“ reingepresst ist. An sich nett, das Kunstwerk, aber viel mehr noch eine Stromverschwendung, denn mehr als einen kurzen und leider völlig unreflektierten Blick wirft niemand dorthin. Ich würde sogar bezweifeln, dass bei mehr als einer handvoll Leuten die Erinnerung an das letzte und ereignisreiche Jahr, an irgendeine Veranstaltung oder die Lasershows auf dem Campus durch dieses neokubistische Wandcollage wachgerufen wird. Mein Blick schweift zurück zu dem Gebilde und überrascht starre ich es an.
Lila.
Ich ziehe die Schwingtüren auf, gehe mit gerunzelter Stirn an der Aula vorbei und werfe einen Blick in den von warmem Sonnenlicht durchfluteten Innenhof. Diana wartet schon. Sehr gut. Eiligen Schrittes durchquere ich den langen Flur und fange meine Verabredung zum Mittagessen am Eingang zur Cafeteria ab.
„Sage mal…“ beginne ich das Gespräch, während ich Diana kurz umarme. „… bin ich meschugge, oder wechselt das Licht draußen am Eingang?“ Diana überlegt kurz, späht den Flur entlang und scheint zu überlegen, wovon ich spreche. Dann zuckt sie die Achseln.
„Ich glaube du bist meschugge.“
Eine geschlagene Stunde lang überlege ich, ob ich mir nur eingebildet habe, dass das Licht grün ist, weil ich grün so gern mag, dann verlassen wir Wurstgulasch und labberigen Salat, eingehüllt in diesen typischen Mischgeruch aus verbrauchter Luft, Bratenfett und Reinigungsmittel. Mir zuliebe geht Diana neben mir den langen Flur entlang in Richtung Ausgang, schiebt die Tür auf und verharrt mitten im Schritt.
Gelb.
Ich bin nicht meschugge. Das Licht wechselt. Diana sieht mich verwundert an.
„Seit wann hängt das denn hier?“
Ich beschließe die heutige Kolumne mit einem w.z.b.w bezüglich meiner Vermutung, dass die Collage nichts weiter als Stromverschwendung ist, denn ganz offensichtlich ruft sie nicht nur keine Erinnerungen an das Jahr der Lichtgedanken hervor, nein, sie wird in vielen Fällen noch nicht einmal bemerkt!

Seniorenkolleg

•März 27, 2009 • 10 Kommentare

Hornhautombra. Mit dieser Farbe würde ich die Umrandung der aschenbecherdicken Brillengläser des Mannes beschreiben, der auf seinen Stock gestützt im Uni Hauptgebäude vor dem Raumplan steht und unschlüssig in seiner Tasche herum tastet. Er trägt ein Tweedjackett und braune Kordhosen. Ein goldenes Kettchen verschwindet in der Tasche der Weste, die er unter dem Jackett trägt und sein schütteres Haar ist akkurat zur Seite gescheitelt. Ich will gerade weitergehen, als er sich kurz zu mir umdreht, als hätte er mich jetzt erst bemerkt. Riesige, neugierige, aufmerksam babyblaue Augen blinzeln mich durch das dicke Glas überdimensional vergrößert  an. Der Mann guckt nicht wie ein sechzigjähriger, sondern eher wie ein aufgeregter Sechsjähriger und Gänsehaut breitet sich auf meinen Armen aus.
Ich fühle mich ganz unvermittelt in die russische Kindergeschichte versetzt, die mich als kleines Mädchen traumatisierte. Es geht dabei um die Geschichte von Petja Subov und der verlorenen Zeit. Petja, dem kleinen Protagonisten der Geschichte wird seine Zeit von vier bösen Zauberern gestohlen, weil er nichts damit anzufangen wusste und diese vertrödelte. Petja wird zu einem alternden Greis und muss, um wieder jung zu werden, die drei anderen Kinder finden, denen ebenfalls die Zeit gestohlen wurde und gemeinsam mit ihnen in Form von Greisen gegen die Zauberer antreten. Die Geschichte war schlimm genug, als ich noch dachte, sie sei die Erfindung irgendeines russischen Psychopathen, der es nicht sehen konnte, wenn Kinder auch einfach mal nix machten. Aber nein, dort steht er vor mir. Petja. Er zieht ein Bonbon aus seiner Tasche, steckt es sich in den Mund und lächelt jungenhaft.
„Eier, Hasen und Lamm.“ Klärt er mich auf, ehe er auf seinen Stock gestützt den langen Gang entlang humpelt, bis er irgendwann aus meinem Sichtfeld verschwindet. Gerade, als ich mich halbwegs gefangen habe und meinen Weg fortsetze, sehe ich eine ältere Dame mit blumigem Faltenrock. Mich trifft der Schock. Sie verschwindet in Hörsaal 24 und dort sitzen sie. Unzählige Senioren, denen Begeisterung aus den vom Alter trüben Augen spricht und die gebannt auf die Tafel starren, als säßen sie das erste Mal in einem Klassenzimmer, würden das erste Mal Kreide riechen. Aber vorn steht kein böser Zauberer, der ihnen die Zeit gestohlen hat. Vorn steht eine der Dozentinnen, die einen Vortrag im Rahmen des Jenenser Seniorenkollegs hält und die den alten Menschen viel mehr ihre Jugend zurückgibt, als sie ihnen zu stehlen. Um Eier, Hasen und Lamm, Bräuche zu Ostern, ging es in ihrem Vortrag. Der bebrillte Petja war also doch nicht meschugge, nur informiert.

Gefressen

•März 20, 2009 • 2 Kommentare

Gefressen Noch nie ist es dazu gekommen. Seit zehn Semestern studiere ich hier und bis gestern habe ich immer nur belächelt, wie panisch manche Studenten sich verhalten, wenn es um den Schnelleinzug geht. Der Schnelleinzug ist nicht etwa irgendein Verfahren an der Uni, sondern ein Fach am Kopierer, in den man lose Blätter einlegen und zügig kopieren kann. Der Schnelleinzug ist ein Geschenk Gottes, wenn man 160 Seiten zu kopieren hat und diese nicht Seitenweise einzeln auf die Glasfläche legen möchte. Einziges Manko am Schnelleinzug war bis dato eigentlich nur, dass er auf lose Blätter beschränkt war. Seit gestern ist das anders. Gestern nämlich habe ich für meine Eltern, beziehungsweise für die Steuer, die Bescheide meiner Lohnsteuerkarte des letzten Jahres kopiert.
Fein säuberlich nahm ich die wichtigen Unikate und legte sie mit der bedruckten Seite nach unten in den Schnelleinzug des Institutskopierers. Lässig und gedankenlos drückte mein Finger die Kopiertaste und mit einem vertrauten, leisen Seufzen zog der Kopierer das erste Blatte in und spuckte es hinten wieder aus. Blatt 4 kam verkehrt herum heraus, da stutzte ich schon. Blatt 5 kam dann leider gar nicht mehr heraus. Für solche Störungsfälle gibt es auf dem Display eine Hilfe-Taste, die ich auch sofort drückte und mir wurde bildlich mit dicken und dünnere Pfeilen beschrieben, wie die vordere, obere Klappe des Kopierers zu öffnen sei. Siehe da, dort steckte das Blatt. Vorsichtig befreite ich die wichtige Seite aus dem eisernen Maul des Kopierers. Leider hatten sich die metallenen Reißzähne so fest in Blatt 5 verbissen, dass die untere rechte Ecke verschollen blieb. Nicht nur, dass dieses wichtige Originaldokument jetzt aussieht, als hätte ich es 5 Wochen lang im Rucksack mit fettigen Stullen und haufenweise Müll transportiert, nein, jetzt geht auch ein Riss über die untere rechte Blattseite und teilt die auf dem Dokument stehenden Worte: Wichtiges Dokument. Bitte sorgfältig damit umgehen!

Der Unterbau

•März 13, 2009 • 4 Kommentare

Die Universität sollte gebaut sein, wie eine schöne Frau. Der Busen der Universität, das an was man sich vertrauensvoll anlehnt, der Verwaltungsapparat also, sollte groß und üppig sein, damit man immer ein Plätzchen findet, zu dem man gehen kann. Die Taille, der Hingucker der Universität, sind die schmückenden und natürlich auch funktionalen Professoren. Die Taille sollte schlank und adrett gehalten werden. Die Professoren sollten da, aber nicht übermäßig überladen sein. Das Fahrgestell der Uni, der Hintern, das worauf die Meisten beim zweiten Blick achten und viel wichtiger noch, worauf man sitzt, sollte ein wohlgeformter, großzügiger Unterbau sein. Dieser Unterbau sollte angefüllt mit kompetenten Mitarbeitern sein, die sowohl im Bereich der Projektarbeit, als auch in der Lehre vorzügliche Arbeit leisten. Die langen Beine der Universität, schlank, sportlich und voranbringend, sind dann die Studenten, die das Image nach ihrem Abschluss nach außen tragen und ebenso, wie Busen, Taille und Po, einige hingerissene Blicke einfangen.
Jena hat ganz im Gegensatz zu der von mir vorab aufgezeichneten Aphrodite allerdings eher eine unförmig barocke Frau zum Vorbild, die weniger an eine griechische Göttin erinnert, als vielmehr an eine alte Vettel mit Hühnerbeinen.
Wo liegen die Problemzonen?
Nun, es fängt mit dem Busen an, der mag zwar üppig unterfüttert sein, was beim Betrachter oder besser beim Bedürftigen ankommt, ist allerdings weniger als ein kleiner Hängebusen. Dieser verweist direkt auf die zum Körperbau verhältnismäßig ausladende, um nicht zu sagen wulstige Taille. Weil es so viel Taillenspeck gibt, ist der Hintern kaum zu sehen. Im universitären Sprachduktus könnte man fast sagen, es gibt keinen tragfähigen Unterbau. Dieser proportionale Mangel liegt darin begründet, dass alle Pölsterchen aus dem Hinten aus reiner Notwendigkeit zum Lebenserhalt danach streben, sich an der Taille festzusetzen.
Wie Stöcke, da es keinen weichen, weiblichen Übergang vom Hintern zu den Oberschenkeln gibt, wenn der Hintern zur Taille will, ragen die stacksigen Beine aus dem unförmigen Leib unserer Universität. Fette Stöcke, erinnert man sich an die letzte Kolumne. Fett, aber unproportional, wie das ganze Gebilde. Hier vor uns sehen wir weniger Pamela Andersen, als vielmehr die Hexe Baba Yaga aus dem russischen Märchen, übrigens gespielt, von einem Mann…